Meine Heilreise in Indien – 7. & 8. Tag

Das Feuer sucht sich seinen Weg


Nun ist schon eine Woche vorbei und ich weile seit acht Tagen in Indien. Morgens zwischen fünf und sechs Uhr stehe ich auf.
In der Kühle und Stille trete ich auf den Balkon und praktiziere Qi Gong – ein Moment, der sich für mich anfühlt, wie frischer Nektar.


Um 07:30 Uhr beginnt meine erste Behandlung. Zurzeit bekomme ich nur Kräuterbäder, Körperpackungen und einen kühlen Stirnguss.
Mehr liegt nicht drin – zu viel Feuer ist in meinem Körper, sehr zu viel.
Soviel, dass das Feuer sich sichtbar auf meine Haut macht.
Ich bin übersäht mit Pusteln und Ausschlägen.
Die Haut juckt, die Haut brennt, und ich darf lernen, mich in Geduld zu üben.


Mein ayurvedischer Arzt meinte einfühlsam:
„Zu viel Feuer, so viel Emotionen wollen aus dir raus. Lass es raus. Geschichten, die waren, kommen hoch. Schau sie dir an und lass sie gehen und schliesse dann die Türe. Sie müssen und dürfen nicht mehr zurückkommen. Egal, was die anderen denken – du bist wichtig, deine Gedanken sind wichtig. Sei geduldig mit dir. Du hast Zeit und du bist hier. Du wirst gesund.“


Das Feuer in mir will raus.
Wenn es auf einer Stelle meines Körpers Ruhe findet, sucht sich das Feuer einen neuen Weg – Unterarme, Oberschenkel, Achseln…
Ich könnte schreien, aus meiner Haut springen.
Wie viel kann ein Mensch ertragen? Wie viel kann ein Mensch mit sich tragen?
Das merke ich jetzt hier.


Ayurveda ist sanft und doch schonungslos. Sie geht in die Tiefe, packt das Übel an die Wurzel und lässt die eigene Schönheit hervorkommen –
so wie eine Seerose, die tief im Dunkeln des Sees emporsteigt, um an der Wasseroberfläche ihre Blütenpracht zu zeigen.


Und so lerne ich:
Das Feuer darf sein. Ich darf sein.
Geduld, Atmen, Loslassen – das ist Heilung.
In diesem Fliessen von Hitze, Schmerz und Schönheit,
in dieser sanften Unbarmherzigkeit der Ayurveda,
entsteht ein stiller Raum, in dem alles, was war, losgelassen werden darf –
und ich wieder bei mir ankomme.

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