Mein Erfahrungsbericht nach der Halbzeit der Kur
Fast zwei Wochen sind nun vergangen, seit ich hier in Indien angekommen bin.
Mein Ziel: alten Ballast abwerfen, vermehrt zu mir schauen und die Schönheit hervorholen, die tief in mir schlummert. Diese Schönheit habe ich lange gut „verpackt“ – in viele Tücher gewickelt und im hintersten Teil des Schranks versteckt.
Warum es dazu gekommen ist?
Viele Momente im Leben haben mich geprägt: zu viel Arbeit, ungesundes Essen, zu wenig Bewegung – und auch grosse Trauer. Trauer um geliebte Menschen, die gegangen sind. Und nicht zuletzt der Prozess, den es mit einer Frau macht, wenn sie fünfzig wird.
Über diesen neuen Lebensabschnitt, über die Wechseljahre, wird bei uns Frauen oft wenig gesprochen. Es wird geschwiegen, weggeschaut oder am Gefühl festgehalten, jung bleiben zu müssen. Ganz ehrlich – und ich spreche das hier offen an – vor Kurzem war das auch mein Thema.
Mein Geist fühlt sich noch immer an wie ein Jungspund von siebzehn Jahren, doch mein Körper macht nicht mehr alles so mit, wie ich es mir vorstelle.
Ich kenne keine Hitzewallungen, ich schlafe gut und bin mit meinem Leben, so wie es gerade ist, zufrieden.
Aber – hier kommt ein grosses Aber: Manchmal habe ich das Gefühl, nicht mehr gesehen zu werden. Und statt Hitzewallungen kommen starke emotionale Wellen. Ich weine wegen jedem noch so kleinen „Scheiss“.
Die Rebellion, meine Haare weiterhin zu färben, habe ich lange mit mir herumgetragen. Und hier in Indien kommt ganz still die Frage auf: Was soll das eigentlich, Lilly?
Monat für Monat Farbe auf die Haare streichen, nur damit nach kurzer Zeit wieder graue nachwachsen – was für ein Stress.
All das sind unglaubliche Prozesse. Und wer meint: „Ach, das ist doch alles nur bla bla bla“, dem sage ich:
Wir Frauen können vieles verdrängen und wegschauen – aber irgendwann holt es dich ein. Und dann richtig.
So geht es mir gerade. Ich bin hier in Indien, geniesse die Ayurveda-Kur – und gleichzeitig kommt vieles hoch. Sehr vieles.
Meine Erkenntnis und Erleichterung:
Ich färbe meine Haare nicht mehr. Schluss damit.
Ich bin so, wie ich bin, gut. Sehr gut sogar.
Auch – oder gerade – mit bald 54 Jahren.