Meine Heilreise in Indien – 15. & 16. Tag

Über das Räuchern

Heute geht mein Schreiben dem Räuchern nach.

Früher war die Feuerstelle das Herzstück des Hauses.
Sie schenkte Wärme und Licht, dort wurden Speisen zubereitet, Geschichten erzählt und Gemeinschaft gelebt. Die Küche war ein Ort der Kraft – lebendig und nährend.

Auch heute sollte unser Zuhause diese Qualität in sich tragen.
Ein Ort, der hält, schützt und nährt.
Ein Zufluchtsort, an den du immer wieder zurückkehren kannst, um aufzutanken, zur Ruhe zu kommen und dich neu auszurichten.

Geht diese Ordnung und Achtsamkeit jedoch verloren, gerät auch dieses Fundament ins Wanken.
Ist eine Wohnung unaufgeräumt, chaotisch oder von unangenehmen, dissonanten Energien geprägt, fehlt genau diese tragende Kraft. Dann bist du von einer wichtigen Quelle für Energie und inneren Halt abgeschnitten.

Räuchern ist eine der ältesten Formen, einen Raum bewusst zu reinigen.
Nicht nur sichtbar, sondern spürbar.
Der Rauch trägt Altes hinaus, klärt die Atmosphäre und schafft Platz für Neues. Er erinnert uns daran, dass ein Zuhause nicht nur aus Wänden besteht, sondern aus Energie, Erinnerung und Gefühl.

Hier, in der Ayurveda-Klinik, in der ich nun seit drei Wochen bin, wird jeden Abend um 17 Uhr geräuchert.
Ganz selbstverständlich.
Mit einer stillen Selbstverständlichkeit, die tiefen Respekt zeigt – gegenüber dem Haus, den Menschen darin und dem Leben selbst.

Diese tägliche Räucherung ist ein Ritual der Reinigung.
Sie steht symbolisch dafür, dass Krankheiten gehen dürfen, dass Schwere sich lösen kann und dass neue Energien eintreten: Kraft, Liebe und Heilung.
Nicht als Versprechen, sondern als Einladung.

Mich berührt diese Konsequenz sehr.
Sie zeigt mir, wie wichtig es ist, Räume regelmässig zu pflegen – nicht nur äusserlich, sondern energetisch.
So wie wir unseren Körper waschen, braucht auch unser Zuhause Aufmerksamkeit, Klarheit und Fürsorge.

Räuchern zu Hause bedeutet für mich, bewusst innezuhalten.
Den Tag loszulassen.
Alte Gedanken, Spannungen und fremde Energien hinauszubegleiten.
Und dem Raum – und mir selbst – neu zu begegnen.

Vielleicht ist genau das der Kern von Heilung:
Immer wieder Platz zu schaffen.
Für Ruhe.
Für Ordnung.
Für das, was wirklich nährt.

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