Meine Heilreise in Indien – 13. & 14. Tag

Fünf Uhr fünfundvierzig

Die Zeit in Indien vergeht wie im Fluge.
Um fünf Uhr stehe ich auf, vollziehe meine Rituale, und noch in der Dunkelheit schleiche ich aus dem Haus. Um 5.45 sitze ich in der Stille.

Früher konnte ich lange meditieren, über eine Stunde, klar und gesammelt. In letzter Zeit war das anders. Das Sitzen fiel mir schwer, das Atmen ebenso.
Und nun staune ich. Jeden Tag stelle ich den Timer eine Minute weiter – und ohne Mühe sitze ich wieder zwanzig Minuten in Ruhe.
Warum geht das zu Hause, im Strom des Alltags, so leicht verloren?

Nach der Meditation gehört mir die Halle allein. Bis sieben Uhr übe ich Qi Gong. Ich wiederhole, was meine Lehrerin mir gezeigt hat, dehne, strecke, bewege mich langsam zurück in die Weichheit. Mein Körper erinnert sich.

Vom Yoga habe ich mich entfernt. Nicht aus Ablehnung, eher aus einem leisen Abschied. Das Yoga, das ich einst lernte – still, klar, nach innen gerichtet – begegnet mir nur noch selten. Also bin ich weitergegangen. Dorthin, wo es ruhiger wurde.

Qi Gong kam bewusst in mein Leben. Viele lächeln darüber, nennen es eine Praxis für Alte.
Ich sage: Unterschätzt es nicht.

Mehrmals im Jahr folge ich diesem Weg nach Wien, zu meinen Lehrern. Dort lerne ich eine alte, stille Form des Qi Gong. Ich kehre zurück mit müden Muskeln und schmerzenden Füssen – und mit dem Gefühl, dass sich etwas ordnet.
Jetzt, hier in der Ruhe, wird mein Körper täglich geschmeidiger. Beweglichkeit kehrt zurück, fast unbemerkt, wie etwas Vertrautes.

Wie viel trägt ein Mensch eigentlich?
Wie viel arbeitet er gegen sich selbst, nur um nicht still zu werden?
Warum tun wir so selten das, was Körper und Seele nährt?
Muss man bis nach Indien reisen, damit Frau sich wieder erinnert?

Mein Weg für 2026 ist einfach. Und gerade deshalb wesentlich:
Zu mir schauen.
Sorge tragen.
Gesund bleiben.

Mit Qi Gong – vielleicht wieder mit etwas Yoga.
Mit gutem Essen.
Mit Gehen.
Mit Menschen, die gut tun.

Mehr braucht es nicht.
Und in diesem Einfachen darf ich bleiben.

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