Meine Heilreise in Indien – 23. & 24. Tag

Wie ist es mit dem Mitgefühl?

Morgens, wenn ich aufstehe und im Dunkeln in der Stille sitze, beobachte ich mein Inneres.
Wenn ich alles zusammen betrachte, bin ich ein tief gesegneter Mensch. Ich habe jeden Tag drei vollwertige, gesunde Mahlzeiten, ein weiches Bett und ein Dach über meinem Kopf. Ich habe einen Beruf, der mir Freude macht, und Menschen um mich, die mir guttun.

Von dort aus wende ich mich meinem Mitgefühl zu.
Ich lasse es weiterziehen – zu meinen Mitmenschen, in die Gesellschaft, zu den Tieren und anderen Lebewesen, zur Natur, in die Welt. Manchmal ist es ein Lächeln. Manchmal nur ein stilles Dasein. Manchmal das bewusste Wahrnehmen eines Menschen, ohne etwas von ihm zu wollen.

Wenn mir dabei die Schönheit eines Menschen begegnet, spreche ich sie aus. Ich halte sie nicht zurück. Ich teile dieses Mitgefühl. Oft braucht es dafür nicht mehr als wenige Sekunden – und doch bleibt etwas davon beim anderen zurück. Ein leiser Moment, der nachklingt.

Ein Satz, den ich gelesen habe, hat mich tief berührt:
„Wenn du dich in einer Position befindest, in der du anderen helfen kannst, dann sei froh darüber und tue es. Denn du bist die Antwort des Universums auf das Gebet eines anderen.“

Wann habe ich zuletzt ganz bewusst einer Person geholfen.
Oder einem Tier.
Oder etwas Gutes für Mutter Erde getan.

Sind wir so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir dieses Mitgefühl von Frieden und Liebe aus dem Blick verlieren. Ist es wirklich schwer, jemanden anzulächeln oder einem Menschen aufrichtig zu sagen: Du bist schön.
Oder – wenn sich die Möglichkeit zeigt – ein Lebewesen zu schützen, etwa einem Hund aus dem Tierheim ein gutes Leben zu schenken.

Und für jene, die mehr Geld haben: Wann haben wir bewusst geteilt. Mit einer Spende, einer warmen Mahlzeit, einer einfachen Geste.
Wann war ich bereit, mir Zeit zu nehmen – zum Helfen, zum Zuhören, zum Dasein.

In unserer Welt ist viel Unruhe spürbar.
Gerade deshalb sollten wir nicht vergessen, Mitgefühl weiterzugeben.
Einen Brief zu schreiben.
Spontan bei einer Freundin oder einem Freund vorbeizugehen und wirklich hinzuhören.
Uns mehr warme Umarmungen zu schenken oder eine Hand sanft zu berühren.

Lassen wir die Weisheit der älteren Menschen zu und geben wir ihnen im Gegenzug unsere Kraft. So entsteht ein stiller Ausgleich des Mitgefühls.
Ich empfange ihr Wissen, und sie empfangen meine Energie.

Die vier Wochen hier in Indien haben mir die Augen erneut geöffnet.
Sie erinnern mich daran, dass Mitgefühl nicht nur nach aussen fliessen darf –
sondern auch mir selbst gelten muss.

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