Meine Heilreise in Indien – 25. & 26. Tag

Vom Aushalten zum Ankommen

Die Zeit fliegt.
Kurz nach Weihnachten bin ich in Indien angekommen, und nun neigt sich bereits der erste Monat des neuen Jahres dem Ende zu.
26 Tage bin ich nun hier. Vier Wochen, in denen sich vieles bewegt, verschoben und neu geordnet hat.
Noch eine Woche darf ich an diesem magischen Ort bleiben, dann heisst es Abschied nehmen.

Jeder Tag ist ein neuer Tag.
Und jeder bringt seine eigene Herausforderung mit sich.

Ich schreibe viel.
Um mir selbst zu verzeihen.
Dafür, was ich meinem Körper in den letzten Jahren zugemutet habe.
Er hat Trauer getragen.
Und Gewicht.
Und war so müde, als ich hier ankam.

Die erste Woche war geprägt von Erschöpfung.
Schlafen, essen, schreiben, schlafen.
Manchmal ein kurzes Gespräch mit meinem Zimmernachbarn – mehr war oft nicht möglich.

In der zweiten Woche begann mein Körper zu sprechen.
Nein – zu schreien.
Mit mir. Mit meiner Seele.
Er zeigte mir, was ich ihm zugemutet hatte,
und stellte mir leise die Frage,
ob mir bewusst sei,
dass nicht alles gut war, was ich von ihm verlangt habe.

Tränen kamen. Viele.
Ein ganzer See.
Mein Blick ging immer wieder zurück in die Vergangenheit –
etwas, das die ayurvedischen Ärzte hier nicht begrüssen.
„Es vergiftet den Verstand“, sagen sie.
„Und das Denken.“

In der dritten Woche begann mein Körper zu brennen.
Die Hitze wollte hinaus.
Meine Haut war übersät mit Ausschlag und Pusteln.
Es brannte,
als hätte ich mich verbrannt.

Wie lange muss ich das aushalten?
Was geschieht gerade mit mir?

Hier stösst man an innere Grenzen.
An Gedanken, alles abzubrechen.
Einfach zu sagen: Es interessiert mich nicht mehr.

Doch ich bin nicht tausende von Kilometern gereist,
um jetzt aufzuhören.

Also gehe ich weiter.
Halte aus.
Und vertraue – tief und still –,
dass alles seinen Sinn hat
und gut werden darf.

Anfang der vierten Woche kommt endlich Erleichterung.
Die Hitze zieht sich zurück.
Der Ausschlag beginnt zu verschwinden.

Ich bin erleichtert.
Und die ayurvedischen Ärzte sind es auch.
Wenn ich mich freue, freuen sie sich mit mir.
Sie lachen, halten meine Hand,
nehmen mich in den Arm.

„Wir stehen hinter dir“, höre ich.
„Wir sind für dich da.“

Ich fühle mich aufgehoben.
Getragen.
Und spüre, dass eine Veränderung in mir stattgefunden hat –
nicht nur im Inneren,
auch im Äusseren.

Tägliches Qi Gong, Atemübungen und Meditation
haben ihren Teil dazu beigetragen.
Ich dehne mich, bewege mich,
nehme die Steifheit aus meinem Körper,
mache ihn wieder weich
und geschmeidig.

Es ist ein Segen.
Und ein großes Geschenk,
das ich mir selbst gemacht habe:
diese Ruhe,
diese Einsicht
in mich
und meinen Körper.

Ein Gedanke begleitet mich dabei besonders.
Ein Zitat von Julia Onken:

Wir sollten nicht fragen: Was will ich vom Leben?
Sondern: Was will das Leben von mir?
Was bringe ich mit, mit welchen Gaben bin ich ausgestattet?
Wie kann ich meine Talente, meine Kraft und meine Möglichkeiten
in das Gastland Erde einbringen?

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